Bestandsgebäude seit 1998 · Schwerpunkt Baujahr vor 1979

Für Handwerksbetriebe →

Elektroinstallation im Altbau

Komplettsanierung, Zählerschrank, Nullung, Photovoltaik.

Preisspanne
90–160 €/m² Wohnfläche
Bauzeit typisch
2–4 Wochen
Förderung
nur Teilmaßnahmen
Stand
09/2026

Was der Betrieb übernimmt

  • Neuer Zählerschrank nach TAB, Potentialausgleich, FI-Schutzschalter
  • Komplette Neuverkabelung mit Schlitzen, Dosen und Verputzen
  • Erweiterung der Stromkreise, Netzwerk, Sat und Sprechanlage
  • Beleuchtungsplanung, Schalterpositionen, Bewegungsmelder
  • Vorbereitung für Wärmepumpe und Wallbox, Zählerplatz erweitern
  • Photovoltaik und Speicher inklusive Anmeldung beim Netzbetreiber

Im Bestand besonders zu beachten

In Gebäuden vor 1965 findet man häufig noch klassische Nullung ohne getrennten Schutzleiter, Stoffummantelung und Aluminiumleitungen — Zustände, die weder normgerecht noch versicherungsseitig unbedenklich sind. Eine Teilsanierung ist hier fast immer die teurere Lösung, weil zweimal geschlitzt, gespachtelt und gemalert wird. Der richtige Moment ist deshalb: wenn ohnehin Wände geöffnet oder Böden aufgenommen werden. Wer eine Wärmepumpe oder Wallbox plant, sollte den Zählerschrank in einem Zug mitmachen.

Woran Sie eine Anlage erkennen, die raus muss

Die Elektroinstallation ist das Gewerk, bei dem der Altbau am unauffälligsten gefährlich ist. Eine Leitung von 1958 sieht aus wie eine von 2018, solange die Steckdose hält. Entscheidend sind sechs Merkmale:

BefundWas es bedeutet
Steckdosen mit zwei Polen ohne SchutzkontaktEs gibt keinen Schutzleiter. Waschmaschine, Spülmaschine und alles mit Metallgehäuse gehören dort nicht hin.
Klassische Nullung: Schutzleiter und Neutralleiter auf einer AderSeit 1973 bei neuen Anlagen unzulässig. Bestandsschutz gilt nur, solange nichts wesentlich geändert wird – mit dem ersten Umbau ist er weg.
Kein Fehlerstromschutzschalter im VerteilerSeit 2018 sind 30-mA-Schutzschalter für alle Steckdosenstromkreise bis 32 A und für die Beleuchtung in Wohnungen gefordert.
Stoffummantelte oder gummiisolierte LeitungenDie Isolierung wird spröde und fällt beim Ziehen ab. Austausch, nicht Reparatur.
AluminiumleitungenVerbaut vor allem in den 1960er- und 1970er-Jahren. Alu fließt unter Druck, Klemmstellen lockern sich und werden heiß.
Schraubsicherungen statt LeitungsschutzschalternMeist ein Hinweis darauf, dass der ganze Verteiler aus der Zeit vor 1975 stammt.
Eine Anlagenprüfung durch einen Fachbetrieb kostet für ein Einfamilienhaus 200 bis 500 € und liefert ein Protokoll, das Sie beim Verkauf oder gegenüber der Versicherung vorlegen können.

Wo Leitungen liegen dürfen

Im Altbau liegt jede Leitung dort, wo es dem Elektriker von 1962 passte – diagonal durch die Wand ist keine Seltenheit. Seit langem gilt aber eine feste Regel, damit man später bohren kann, ohne zu treffen. Die Installationszonen sind Streifen, in denen Leitungen laufen, und nur dort.

ZoneLage
Waagerecht unten15 bis 45 cm über dem fertigen Fußboden
Waagerecht Mitte100 bis 130 cm über dem fertigen Fußboden, vor allem über Arbeitsflächen
Waagerecht oben15 bis 45 cm unter der fertigen Decke
Senkrecht10 bis 30 cm neben Türen, Fenstern und Raumecken
Wer nach einer Sanierung ein Regal aufhängen will, misst zuerst diese Abstände ab. Halten Sie im Angebot fest, dass nach diesen Zonen installiert wird – und lassen Sie sich vor dem Verputzen Fotos der offenen Schlitze geben. Das ist die billigste Bestandsdokumentation, die es gibt.

Der Zählerschrank ist der Engpass

Das Bauteil, an dem im Altbau derzeit die meisten Vorhaben hängen bleiben, und zwar unabhängig davon, was eigentlich geplant war. Wärmepumpe, Wallbox, Photovoltaik mit Speicher – alle drei setzen einen Zählerplatz voraus, der den heutigen technischen Anschlussbedingungen entspricht. Schränke, die vor 2019 gesetzt wurden, haben in der Regel weder den unteren Anschlussraum mit Reihenklemmen noch Platz für ein Smart-Meter-Gateway.

Dazu kommt die gesetzliche Seite: Steuerbare Verbrauchseinrichtungen über 4,2 kW – also praktisch jede Wärmepumpe, jede Wallbox und jeder größere Speicher – müssen beim Netzbetreiber angemeldet und steuerbar ausgeführt sein. Der Netzbetreiber darf im Engpass auf mindestens 4,2 kW herunterregeln, aber nicht abschalten. Im Gegenzug gibt es reduzierte Netzentgelte. Der Smart-Meter-Rollout läuft bis 2032 und steht erst am Anfang.

Deshalb gehört der Zählerschrank an den Anfang

Wer die Wärmepumpe bestellt und erst danach merkt, dass der Zählerplatz nicht reicht, verliert Wochen – der Netzbetreiber muss zustimmen, und für die Arbeiten am Zählerplatz ist ein eingetragener Installateur nötig. Lassen Sie den Schrank prüfen, bevor Sie irgendetwas anderes beauftragen. Die Prüfung kostet eine Stunde, die Verzögerung kostet eine Heizperiode.

Was die Positionen kosten

PositionEinheitvonbis
Komplettsanierung der Installationje m² Wohnfläche90 €160 €
Zählerschrank erneuern, mit Anmeldungpauschal1.800 €4.500 €
Unterverteilung neu setzenStück600 €1.500 €
Steckdose oder Schalter inklusive LeitungStelle80 €160 €
Schlitzen, Leitung legen, verputzenlfm15 €35 €
Fehlerstromschutzschalter nachrüstenStromkreis150 €400 €
Wallbox 11 kW inklusive Anschluss und AnmeldungStück1.200 €2.500 €
Hausanschluss verstärkenpauschal500 €2.500 €
Anlagenprüfung mit ProtokollEinfamilienhaus200 €500 €
Richtwerte für Fachbetriebe, Stand 09/2026. Bei bewohnter Sanierung kommen 15 bis 25 Prozent dazu, weil in Etappen gearbeitet werden muss.

Was den Preis bestimmt

KostentreiberEinordnung
Wohnfläche und RaumanzahlDer Preis pro Quadratmeter steigt bei kleinteiligen Grundrissen mit vielen Räumen.
WandaufbauSchlitzen in Vollziegel ist Routine, in Stampfbeton oder Bruchstein deutlich aufwendiger.
ZählerschrankErneuerung 1.800–4.500 €, bei Anpassung des Hausanschlusses zuzüglich Netzbetreiberkosten.
AusstattungsgradZahl der Steckdosen und Stromkreise ist der größte frei wählbare Kostenblock.
FolgearbeitenSchlitze verputzen und Räume malern sind Gewerke, die im Elektroangebot oft fehlen.

Häufige Fragen

Muss ich die Elektrik erneuern lassen?

Eine allgemeine Pflicht gibt es nicht. Bei Anlagen ohne Schutzleiter und ohne Fehlerstromschutzschalter ist die Erneuerung dennoch dringend zu empfehlen; bei Verkauf und Vermietung wird sie regelmäßig zum Thema.

Was kostet die Vorbereitung für eine Wallbox?

Wenn der Zählerschrank ohnehin erneuert wird, sind es 800–1.800 Euro für Zuleitung, Absicherung und Steuerleitung. Nachträglich in einer bestehenden Anlage schnell das Doppelte.

Kann man in Abschnitten sanieren?

Ja, sinnvoll etwa wohnungsweise oder geschossweise. Der Zählerschrank und der Hauptpotentialausgleich sollten aber im ersten Abschnitt liegen, weil alles Weitere darauf aufbaut.

Begriffe aus dem Baulexikon

Installationszonen · Zählerschrank · Klassische Nullung

Ob Ihre Anlage einen FI-Schalter, eine Teil- oder eine Komplettsanierung braucht, zeigt der Elektrik-Check – mit Kosten für Ihre Räume.

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