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Elektrik im Altbau erneuern

Die Elektrik ist das Gewerk, bei dem ein Altbau am unauffälligsten gefährlich ist: Eine Leitung von 1958 sieht aus wie eine von 2018, solange die Steckdose hält. Ob Ihre Anlage nur einen FI-Schalter braucht, eine Teilsanierung oder eine komplette Erneuerung – und was Wärmepumpe, Wallbox oder Photovoltaik zur Pflicht machen –, klärt der Check auf dieser Seite anhand dessen, was Sie selbst sehen können.

Komplettsanierung
90–160 € je m²
FI-Schalter nachrüsten
150–400 € je Stromkreis
Zählerschrank
1.800–4.500 €
Stand
09/2026

Die kurze Antwort

Ihre AnlageWas zu tun ist
Zweiadrige Leitungen, Steckdosen ohne Schutzkontakterneuern – oft steckt klassische Nullung dahinter, ein FI-Schalter allein hilft dann nicht
Stoff-, Gummi- oder Aluminiumleitungenerneuern, nicht reparieren
Dreiadrige Leitungen, aber kein FI-SchalterFI nachrüsten – die wichtigste Sicherheitsmaßnahme für wenig Geld
Wärmepumpe, Wallbox oder Photovoltaik geplantZählerschrank nach VDE-AR-N 4100 prüfen und meist erneuern – zuerst, vor allem anderen
Umbau mit offenen Wänden: Bad, Dachausbau, neuer Grundrissdie Elektrik in diesen Bereichen neu machen, solange geschlitzt werden kann
Anlage nach 2008, FI für alle Stromkreiseprüfen lassen, sonst nichts

Eine allgemeine Pflicht, die Elektrik zu erneuern, gibt es nicht. Bestehende Anlagen genießen Bestandsschutz. Er endet aber für alles, was Sie ändern oder erweitern – und mit Wärmepumpe, Wallbox oder Photovoltaik ändern Sie fast immer den Zählerschrank.

Elektrik-Check

Beantworten Sie sieben Fragen zu dem, was Sie am Sicherungskasten, an Steckdosen und Leitungen sehen, und haken Sie an, was Sie vorhaben. Der Check nennt die Sicherheitsrisiken, die Pflichten aus Ihrem Vorhaben und den sinnvollen Umfang. Die Kosten rechnet er von unten nach oben: Stellen je Raum, Stromkreise, Verteiler, Zählerschrank und Anschlüsse.

Drei Beispiele aus dem Check

AusgangslageEmpfehlungKosten
Einfamilienhaus, 110 m² mit Keller, zwei Geschosse, zweiadrige Leitungen, Schraubsicherungen, Zähler auf HolzplatteKomplettsanierung mit Zählerschrank, verputzen und malern12.440–26.680 €
Elektrik von 1986 bis 2008, dreiadrig, Leitungsschutzschalter, FI nur für einen TeilFI-Schalter nachrüsten800–2.100 €
Wie oben, dazu Wärmepumpe und Wallbox, Zählerschrank von vor 2019Zählerschrank, Anschlüsse, FI – die Leitungen bleiben4.300–10.600 €
Standardausstattung, Haus leer während der Arbeiten. Marktspannen 09/2026 einschließlich Material.

Woran Sie veraltete Elektrik erkennen

Das Baujahr der Elektrik ist oft nicht das Baujahr des Hauses. Viele Anlagen wurden in Etappen erweitert. Die Tabelle zeigt, was je Epoche typisch verbaut wurde.

Elektrik ausTypisch verbautRisiko heute
vor 1950Stoff- und gummiisolierte Leitungen, Porzellansicherungen, Verteiler auf Holzhoch – Isolierung zerfällt
1950 bis 1973zweiadrige Leitungen mit klassischer Nullung, Schraubsicherungen, Stegleitung im Putzhoch – kein Schutzleiter
1960er- und 1970er-Jahreteilweise AluminiumleitungenKlemmstellen lockern sich und werden heiß
1973 bis 1985dreiadrige Leitungen mit Schutzleiter, meist noch ohne FImittel – FI nachrüsten
1985 bis 2008FI zumindest im Bad, Leitungsschutzschaltergering – FI oft nicht für alle Kreise
ab 2009FI für Steckdosenstromkreise, seit 2018 auch für die Beleuchtunggering
Richtwerte; im Einzelfall entscheidet die Prüfung durch eine Elektrofachkraft.

Fünf Minuten am Sicherungskasten

  • Kippschalter oder Schraubsicherungen? Schraubsicherungen deuten auf einen Verteiler vor etwa 1975.
  • Gibt es einen FI-Schalter? Er hat eine Prüftaste mit „T“. Einmal im halben Jahr drücken – er muss sofort auslösen.
  • Schutzkontakte an den Steckdosen? Steckdosen ohne die seitlichen Metallbügel haben keinen Schutzleiter.
  • Zählerschrank: Zähler offen auf einer Holz- oder Kunststoffplatte oder ein geschlossener Schrank mit Plombe?
  • Leitungen im Keller oder auf dem Dachboden: Stoffummantelung, graue Stegleitung oder silbrige Aluminiumadern sind gut zu erkennen.

Nichts öffnen, was unter Spannung steht

Steckdosen, Schalter und Verteiler öffnet nur eine Elektrofachkraft, spannungsfrei und gesichert. Für den Check reicht, was von außen zu sehen ist.

Klassische Nullung

Bei der klassischen Nullung teilen sich Schutzleiter und Neutralleiter eine gemeinsame Ader. In der Schutzkontaktsteckdose ist der Schutzkontakt mit dem Neutralleiter verbunden. Solange alles hält, funktioniert das. Löst sich die gemeinsame Ader an einer Klemme, liegt am Metallgehäuse eines angeschlossenen Geräts die volle Netzspannung – und keine Sicherung löst aus.

  • Seit 1973 ist die klassische Nullung bei neuen Anlagen in Deutschland unzulässig.
  • Bestehende Anlagen dürfen bleiben, solange nichts wesentlich geändert wird.
  • Mit dem Umbau ist für die geänderten Teile Schluss: Neue oder erweiterte Stromkreise brauchen einen eigenen Schutzleiter.
  • Ein FI-Schalter allein ist keine Lösung, weil ihm der getrennte Rückweg fehlt. Die Abhilfe ist eine neue Leitung mit drei Adern – in der Regel im Zuge einer Sanierung.

FI-Schalter nachrüsten

Der Fehlerstrom-Schutzschalter schaltet ab, wenn Strom über einen falschen Weg abfließt – etwa durch einen Menschen. Er ist die wirksamste einzelne Sicherheitsmaßnahme in einer alten Anlage, setzt aber einen eigenen Schutzleiter voraus.

SituationWas gilt
Bestehende Anlage ohne ÄnderungBestandsschutz, keine allgemeine Nachrüstpflicht
Neue oder geänderte Stromkreise für Steckdosen bis 32 A und BeleuchtungFI mit 30 mA vorgeschrieben, seit DIN VDE 0100-410 von 2018
Badneue Stromkreise dort seit den 1980er-Jahren nur mit FI
WallboxFI Typ B oder eine Wallbox mit eingebauter 6-mA-Gleichstromerkennung vor einem FI Typ A
Wärmepumpenach Herstellervorgabe, häufig Typ A oder F

Das Nachrüsten kostet 150 bis 400 € je Stromkreis, für ein Einfamilienhaus mit mehreren FI-Schaltern meist 600 bis 1.600 €. Passt der alte Verteiler nicht, kommt ein neuer dazu.

Zählerschrank: der Engpass für Wärmepumpe, Wallbox und Photovoltaik

Ein Zählerschrank genießt Bestandsschutz, solange Sie nichts Wesentliches ändern. Wärmepumpe, Wallbox und Photovoltaik mit Speicher sind aber eine wesentliche Änderung. Dann muss der Zählerplatz den technischen Anschlussbedingungen nach VDE-AR-N 4100 entsprechen, und Schränke von vor 2019 schaffen das meist nicht: Es fehlen der untere Anschlussraum und der Platz für ein Smart-Meter-Gateway.

  • Anmelden: Wärmepumpen und Wallboxen über 4,2 kW meldet der Installateur beim Netzbetreiber an. Sie müssen steuerbar sein; im Engpass darf der Netzbetreiber auf 4,2 kW herunterregeln, nie abschalten. Im Gegenzug sinken die Netzentgelte.
  • Eingetragener Installateur: Arbeiten am Zählerplatz darf nur ein beim Netzbetreiber eingetragener Betrieb ausführen.
  • Asbest: Alte Zählerplatten enthalten nicht selten Asbest. Vor dem Ausbau prüfen lassen.
  • Zeit: Rechnen Sie mit einigen Wochen für Anmeldung und Termin beim Netzbetreiber.

Deshalb gehört der Zählerschrank an den Anfang

Wer die Wärmepumpe bestellt und erst danach merkt, dass der Zählerplatz nicht reicht, verliert Wochen – im ungünstigen Fall eine Heizperiode. Lassen Sie den Schrank prüfen, bevor Sie Heizung, Wallbox oder Photovoltaik beauftragen. Mehr zur Heizungswahl im Heizungs-Vergleich.

Stromkreise und Ausstattung

Alte Anlagen haben oft zwei oder drei Stromkreise für die ganze Wohnung – heute hängen daran Küche, Homeoffice und Unterhaltungselektronik. Die DIN 18015-2 nennt Mindestwerte. Darüber hinaus beschreibt die Richtlinie RAL-RG 678 drei Ausstattungsstufen, von der Mindestausstattung bis zum Komfort.

WohnflächeStromkreise für Licht und Steckdosen, mindestens
bis 50 m²3
50 bis 75 m²4
75 bis 100 m²5
100 bis 125 m²6
über 125 m²7
Nach DIN 18015-2. Dazu kommen eigene Stromkreise für Herd, Backofen, Spülmaschine, Waschmaschine und Trockner sowie für Großverbraucher wie Wärmepumpe, Wallbox oder Durchlauferhitzer.

Die Zahl der Steckdosen, Schalter und Auslässe ist der größte frei wählbare Kostenblock: Jede Stelle kostet mit Leitung 80 bis 160 €. Planen Sie großzügig – eine Steckdose nachträglich zu setzen, kostet ein Vielfaches.

Installationszonen

Im Altbau liegen Leitungen dort, wo es dem Elektriker damals passte, nicht selten diagonal durch die Wand. Neu verlegte Leitungen laufen nach DIN 18015-3 nur in festen Zonen: waagerecht 15 bis 45 cm über dem Fußboden und unter der Decke, bei Arbeitsflächen zusätzlich 100 bis 130 cm hoch, senkrecht 10 bis 30 cm neben Türen, Fenstern und Raumecken. Lassen Sie sich die offenen Schlitze vor dem Verputzen fotografieren – das ist die günstigste Dokumentation, die es gibt. Details stehen auf der Seite Elektroinstallation im Altbau.

Teil- oder Komplettsanierung

Eine Teilsanierung ist günstiger, wenn die Leitungen einen Schutzleiter haben und in Ordnung sind: neuer Verteiler, FI-Schalter, einzelne Stromkreise und der Zählerschrank. Liegt klassische Nullung vor oder sind die Leitungen spröde, ist die Teilsanierung fast immer die teurere Lösung, weil zweimal geschlitzt, gespachtelt und gemalert wird.

  1. Zählerschrank und Hauptpotentialausgleich zuerst – alles Weitere baut darauf auf.
  2. Elektrik nach Abbruch und Rohbauarbeiten, vor Putz, Estrich und Trockenbau.
  3. Leerrohre dort vorsehen, wo später Netzwerk, Photovoltaik oder Wallbox dazukommen könnten.
  4. Geschossweise sanieren, wenn das Haus bewohnt bleibt; rechnen Sie dann 15 bis 25 % mehr.
  5. Messprotokoll nach Abschluss verlangen – für Versicherung, Verkauf und Vermietung.

Die richtige Reihenfolge im ganzen Haus ordnet der Reihenfolge-Planer.

Was es kostet

PostenEinheitPreis
Komplettsanierung der Installationje m² Wohnfläche90–160 €
Steckdose, Schalter oder Auslass mit LeitungStelle80–160 €
Verteiler mit FI- und LeitungsschutzschalternStück600–1.500 €
FI-Schalter nachrüstenStromkreis150–400 €
Zählerschrank nach VDE-AR-N 4100 mit Anmeldungpauschal1.800–4.500 €
Zuleitung Wärmepumpepauschal500–1.500 €
Wallbox 11 kW mit Anschluss und AnmeldungStück1.200–2.500 €
Hausanschluss verstärkenpauschal500–2.500 € zuzüglich Netzbetreiber
Schlitze verputzen und malernje m² Wohnfläche15–30 €
Anlagenprüfung mit ProtokollEinfamilienhaus200–500 €
Marktspannen 09/2026 einschließlich Material. Weitere Positionen auf der Seite Elektroinstallation im Altbau.

Förderung und Steuer

  • Mit der Wärmepumpe: Ein nötiger neuer Zählerschrank und die Zuleitung können als Umfeldmaßnahme über die KfW-Heizungsförderung mitgefördert werden – siehe Förderung Heizungstausch.
  • Handwerkerleistungen: Für selbst genutzte Wohnungen lassen sich 20 % der Arbeitskosten von der Steuer abziehen, höchstens 1.200 € im Jahr – nicht für Kosten, die schon gefördert werden.
  • Eine eigene Förderung nur für die Erneuerung der Elektrik gibt es nicht.

Selbst machen – was geht und was nicht

Schlitze stemmen, Leerrohre und Dosen setzen, Kabel einziehen: Das können geübte Heimwerker nach Absprache mit dem Elektriker übernehmen und damit Arbeitszeit sparen. Anschließen, Verteiler, Zählerplatz und die Prüfung gehören zur Elektrofachkraft – aus Sicherheitsgründen und weil sonst Versicherung und Gewährleistung fehlen. Am Zählerplatz darf ohnehin nur ein beim Netzbetreiber eingetragener Betrieb arbeiten.

Häufige Fehler

  • Wärmepumpe oder Wallbox bestellt, bevor der Zählerschrank geprüft ist
  • FI-Schalter in eine Anlage mit klassischer Nullung – er schützt dann nicht zuverlässig
  • Teilsanierung bei spröden Leitungen: zweimal schlitzen, zweimal malern
  • Zu wenige Steckdosen und Stromkreise geplant
  • Keine Fotos der offenen Schlitze, kein Messprotokoll
  • Alte Zählerplatte selbst ausgebaut, ohne an Asbest zu denken

Angebote vergleichen

  • Zahl der Stellen je Raum und Zahl der Stromkreise
  • Verteiler mit FI-Schaltern: Anzahl, Typ, Aufteilung der Stromkreise
  • Zählerschrank nach VDE-AR-N 4100, Anmeldung beim Netzbetreiber, Smart-Meter-Platz
  • Schlitzen, Verputzen und Malern – oft nicht im Elektroangebot enthalten
  • Rückbau und Entsorgung, bei alten Zählerplatten mit Asbestprüfung
  • Messprotokoll und Bestandspläne

Über Altbau-Ausbau erhalten Sie Angebote von Elektrobetrieben, die im Bestand sanieren. Drucken Sie das Ergebnis aus dem Check aus und legen Sie es der Anfrage bei.

Häufige Fragen

Muss ich die Elektrik im Altbau erneuern?

Eine allgemeine Pflicht gibt es nicht. Bei Anlagen ohne Schutzleiter und ohne FI-Schalter ist die Erneuerung aber dringend zu empfehlen, und mit jedem Umbau endet der Bestandsschutz für die geänderten Teile.

Was kostet es, die Elektrik zu erneuern?

Komplett 90 bis 160 € je m² Wohnfläche, bei einem Einfamilienhaus mit 110 m² also etwa 10.000 bis 18.000 €, mit Zählerschrank und Malerarbeiten mehr. Einen FI nachzurüsten kostet 150 bis 400 € je Stromkreis.

Wie erkenne ich klassische Nullung?

An zweiadrigen Leitungen und an Steckdosen, in denen der Schutzkontakt mit dem Neutralleiter verbunden ist. Sicher feststellen kann das nur eine Elektrofachkraft mit geöffneter Dose – siehe Klassische Nullung.

Brauche ich für eine Wärmepumpe einen neuen Zählerschrank?

Meist ja, wenn der Schrank vor 2019 gesetzt wurde. Die Wärmepumpe ist eine wesentliche Änderung, und dann muss der Zählerplatz den heutigen Anschlussbedingungen entsprechen.

Wie lange dauert eine Komplettsanierung?

Für ein Einfamilienhaus meist zwei bis vier Wochen im leeren Haus, bewohnt länger. Dazu kommen Wartezeiten beim Netzbetreiber, wenn der Zählerschrank getauscht wird.

Kann ich in Etappen sanieren?

Ja, am besten geschossweise. Zählerschrank und Hauptpotentialausgleich gehören aber in den ersten Abschnitt.

Quellen: DIN VDE 0100-410 zu Schutzmaßnahmen und Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen; DIN 18015-2 und -3 zu Ausstattung und Installationszonen; RAL-RG 678; VDE-AR-N 4100, technische Anschlussregeln Niederspannung; § 14a Energiewirtschaftsgesetz zu steuerbaren Verbrauchseinrichtungen; § 35a Einkommensteuergesetz. Kosten sind Marktspannen, Stand 09/2026, keine Festpreise. Arbeiten an elektrischen Anlagen nur durch Elektrofachkräfte.

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