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Bad fliesen im Altbau: fünf Lehren aus der eigenen Baustelle

2008 und 2009 haben wir in einem Mehrfamilienhaus von 1912 die Bäder neu gefliest — selbst, in bewohntem Zustand, mit allen Umwegen. Was wir damals in einzelnen Notizen festgehalten haben, steht hier zusammengefasst: fünf Dinge, die wir vorher gern gewusst hätten.

Objekt
Mehrfamilienhaus, 1912
Fläche je Bad
27 m² Wand, 10 m² Boden
Format
60 × 30 cm, Feinsteinzeug

BaustoffeVeröffentlicht Aktualisiert 10.09.20264 Min. Lesezeit

1. Großformate brauchen einen ebenen Untergrund — im Altbau ist das die eigentliche Arbeit

Wir haben uns für kalibrierte Fliesen im Format 60 × 30 aus Feinsteinzeug entschieden, an Wand und Boden dasselbe Format. Das sieht ruhig aus und spart Fugen. Es verzeiht aber nichts: Je größer die Fliese, desto genauer muss der Untergrund sein. Eine Altbauwand, die über zwei Meter drei Zentimeter aus dem Lot läuft, lässt sich mit 60er Fliesen nicht mehr kaschieren.

Wer im Altbau großformatig fliesen will, plant deshalb den Ausgleich mit ein — Ausgleichsputz an der Wand, Nivelliermasse auf dem Boden. Das ist der Posten, der in Selbstbau-Kalkulationen regelmäßig fehlt.

2. Alte Anstriche tragen keinen Fliesenkleber

Die Wand, auf die gefliest werden sollte, war mit einer Ölfarbe gestrichen — im Altbau bis in die Siebziger der Standard für Feuchträume und Treppenhäuser. Fliesenkleber hält darauf nicht.

Wir haben den Ölsockel mit dem Maurerhammer kreuzweise eingeschlagen, bis der Putz darunter frei lag. Das funktioniert, ist aber staubig und dauert. Unser Fachhändler wies uns darauf hin, dass es auch mit einem Haftgrund für nicht saugende Untergründe geht — heute würden wir das zuerst versuchen und das Abschlagen auf die Stellen beschränken, an denen die Farbe ohnehin schon hohl liegt.

Vorher prüfen, nicht raten

Die Gitterschnittprobe kostet nichts: mit dem Cutter ein Kreuzmuster in den Anstrich ritzen, Klebeband aufdrücken, ruckartig abziehen. Lösen sich Farbschollen, muss der Anstrich runter. Bleibt alles haften, reicht Haftgrund.

3. Der Kreuzlinienlaser ist im Altbau kein Luxus

In einem Neubau reicht die Wasserwaage, weil es eine verlässliche Bezugskante gibt. Im Altbau gibt es die nicht: Der Boden fällt ab, der Türsturz sitzt schief, die Decke folgt einer eigenen Logik. Ein Kreuzlinienlaser gibt eine Waagerechte vor, die von keiner dieser Kanten abhängt.

Wir haben ihn für die Höhe des Fliesenspiegels eingesetzt — und danach für fast alles andere im Haus. Für 60 bis 150 € ist er das Werkzeug mit dem besten Verhältnis von Preis zu ersparter Nacharbeit.

4. Ein Laufsteg hält das Bad nutzbar

Frisch verlegte Bodenfliesen dürfen nicht betreten werden, bis der Kleber abgebunden hat — je nach Produkt 12 bis 24 Stunden. In einem bewohnten Haus ist das ein Problem, wenn es nur ein Bad gibt.

Wir haben einen Laufsteg gebaut: an der Türschwelle beginnend, endend auf dem noch nicht belegten Estrich. Sobald der erste Abschnitt begehbar war, wurde der Steg versetzt und weitergearbeitet. Das klingt trivial, hat uns aber zwei Tage Bauzeit erspart, in denen wir sonst nichts hätten tun können.

5. Der Fehler, den wir erst am Ende gesehen haben

Als alle Wandfliesen saßen, ging es an die Armaturen. Die Mischbatterie für die Badewanne brauchte eine Hahnverlängerung — normal, wenn die Fliesenebene höher liegt als vorher.

Das Problem waren die Ausschnitte. Sie waren zu groß ausgeschnitten, und die Rosetten deckten sie nicht mehr vollständig ab. Am fertigen Bad sieht man an jeder Armatur einen dunklen Rand.

Die Lehre daraus

Ausschnitte für Leitungen und Armaturen so knapp wie möglich schneiden. Die Rosette hat rund 15 mm Überdeckung — mehr Spiel verzeiht sie nicht. Wer selbst fliest, bohrt lieber zweimal nach, als einmal zu groß. Wer einen Betrieb beauftragt, spricht diesen Punkt vor Beginn an; es ist eine der häufigsten stillen Nacharbeiten.

Was das heute kostet

Wir haben die Fliesen damals im Abverkauf für 25 €/m² statt 45 €/m² bekommen, rund 1.000 kg Material, angeliefert per Spedition. Heute liegen vergleichbare Feinsteinzeugfliesen bei 30 bis 70 €/m², die Verlegung durch einen Betrieb bei 45 bis 90 €/m² je nach Format und Untergrund. Großformate liegen am oberen Rand, weil der Untergrund vorbereitet werden muss.

Eine Aufstellung je Position finden Sie unter Kosten der Badsanierung. Was ein Betrieb im Altbau übernimmt, steht unter Badsanierung im Altbau; zum Bodenaufbau über Holzbalkendecken siehe Fußboden & Estrich.

Dieser Beitrag fasst fünf Notizen aus den Jahren 2008 und 2009 zusammen, die ursprünglich einzeln erschienen sind. Preisangaben wurden auf den Stand 09/2026 gebracht.

Stand: 10.09.2026Zuletzt aktualisiert: Redaktion: René Lindelaub

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