Typische Konstruktion
Ungedämmt liegt der Wärmedurchgang dieser Wand bei etwa 1,4 W/m²K. Nach einer Außendämmung mit 16 cm erreicht dieselbe Wand rund 0,20 W/m²K.
- Außenwände aus Vollziegel, 38–51 cm, in Kalkmörtel — U-Wert typisch 1,3–1,6 W/m²K
- Holzbalkendecken mit Einschub und Lehmschlag, Trittschall entsprechend schlecht
- Kastenfenster mit zwei Ebenen, oft noch original und instandsetzungsfähig
- Dachstuhl als Pfetten- oder Kehlbalkendach, meist ungedämmt
- Kellergewölbe oder Kappendecken ohne Horizontalsperre
Richtwerte für ein unsaniertes Gebäude dieser Baualtersklasse. Die Reihenfolge der Sanierung folgt dieser Verteilung nur bedingt — entscheidend ist zusätzlich, wie günstig eine Fläche zugänglich ist.
Was in dieser Baualtersklasse häufig auftritt
- Feuchte im Sockel durch fehlende Horizontalsperre, oft mit Salzausblühungen
- Fäulnis an Balkenköpfen dort, wo Holz in feuchtes Außenmauerwerk einbindet
- Undichte, aber reparable Kastenfenster; Wärmeverlust primär über Fugen
- Elektrik mit klassischer Nullung ohne Schutzleiter
- Stuck unter mehreren Schichten Dispersionsfarbe
Sinnvolle Reihenfolge
| Schritt | Maßnahme |
|---|---|
| 1 | Feuchte im Sockel klären und beheben, bevor irgendetwas gedämmt wird |
| 2 | Dach und oberste Geschossdecke dämmen — größter Effekt je Euro |
| 3 | Fenster instand setzen oder denkmalgerecht erneuern, Laibungen mitdenken |
| 4 | Elektrik und Leitungen erneuern, solange Wände offen sind |
| 5 | Heizung auf niedrige Vorlauftemperatur umstellen |
| 6 | Fassade zuletzt und meist von innen, wenn Stuck erhalten bleiben soll |
Der häufigste Fehler in dieser Klasse
Die Verlockung ist groß, mit neuen Fenstern anzufangen. In der Gründerzeit ist das die riskanteste Reihenfolge: Dichte Fenster in einer ungedämmten Wand mit vorhandener Sockelfeuchte führen fast zwangsläufig zu Schimmel in den Außenwandecken. Und: Fast jedes Gründerzeithaus in innerstädtischer Lage steht unter Erhaltungs- oder Denkmalschutz — die Fassade gehört dann nicht allein dem Eigentümer.
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Stand: 09/2026Zuletzt aktualisiert: Redaktion: René Lindelaub