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Dachgeschossausbau im Altbau

Ob ein Altbau-Dachgeschoss zur Wohnung taugt, entscheiden vier Prüfungen vor dem ersten Kostenvoranschlag: Trägt die Balkenlage die Wohnnutzung, reicht die Raumhöhe, braucht es eine Baugenehmigung, und wie viel Wohnfläche bleibt unter den Schrägen übrig? Erst danach lohnt die Detailplanung. Die Statik bestimmt dabei am häufigsten Aufwand und Budget.

Wohnfläche unter Schrägen
ab 2 m voll, 1–2 m zur Hälfte (§ 4 WoFlV)
Raumhöhe im Dachraum, Beispiel Berlin
2,20 m über die halbe Fläche (§ 47 BauO Bln, seit 23.07.2026)
Statik im Bestand
250–1.200 € pauschal†

Vier Fragen, bevor Sie planen

Einen schnellen Überblick über Mindesthöhen, Tragfähigkeit und Wärmeschutz gibt der Abschnitt „Das Dachgeschoss ausbauen“ auf der Seite Dachsanierung im Altbau. Hier geht es um die Planung dahinter: wie Sie die vier Fragen beantworten und in welcher Reihenfolge Sie bauen.

FrageWer sie beantwortetWas Sie dafür brauchen
Trägt die Balkenlage?TragwerksplanerAufmaß der Balken, Holzzustand, geplanter Fußbodenaufbau
Reicht die Raumhöhe?Architekt oder EntwurfsverfasserSchnitt durch das Dach mit Kniestock und Kehlbalkenhöhe
Braucht es eine Genehmigung?Bauaufsicht, vorab EntwurfsverfasserLandesbauordnung, Bebauungsplan, ggf. Denkmalliste
Wie viel Wohnfläche entsteht?Sie selbst, geprüft vom PlanerGrundriss mit Höhenlinien bei 1 m und 2 m

Die Balkenlage trägt oft nur den Dachboden

Viele alte Dachböden waren als Lager- oder Trockenraum gedacht. Ihre Holzbalkendecke trägt Wäsche und Kisten, aber keinen neuen Fußbodenaufbau, Trennwände, Bad und Möbel. Mit dem Ausbau steigt die Nutzlast, und das Eigengewicht wächst mit jeder Schicht. Wie viel die Decke heute schafft, kann nur ein Tragwerksplaner berechnen. Schätzen ersetzt das nicht.

Auch das Dachtragwerk selbst ändert sich. Wer eine Gaube setzt, schneidet Sparren aus und muss die Last umleiten. Wer einen Windverband oder einen Stiel entfernt, weil er im Weg steht, muss die Aussteifung ersetzen. Was der Planer dafür vom Bestand wissen muss und welche Wege es gibt, eine Holzbalkendecke zu ertüchtigen, beschreibt die Seite Zimmerer und Statik im Altbau.

Aus unserer eigenen Baustelle

Sanierung unseres Mehrfamilienhauses, 2009–2015. Normen, Technik und Preise haben sich seitdem teils geändert; maßgeblich sind die Angaben oben.

Beim Ausbau unseres Mehrfamilienhauses mit Pfettendach (etwa 38° Neigung, 180 m² Grundfläche im Dachgeschoss) zeigte die Statik für den Bauantrag deutlich höhere Lasten als gedacht. Gründe waren die aufgedoppelten Sparren für 20 cm Zwischensparrendämmung, Gipsplatten an den Schrägen, Trockenbauwände, ein neuer Fußboden mit Trockenestrich und Fußbodenheizung und an den Dachterrassen zusätzliche Schnee- und Windlasten. Gelöst haben wir das mit Stahl: Mittelpfetten und Deckenbalken wurden mit U-Profilen verstärkt, an den Seitenwänden der Terrassen kamen Träger HEA 240 hinzu, unter eine neue aussteifende Wand ein HEB 240, dazu rund 20 Trägerauflager im Mauerwerk. Einen Windverband haben wir für eine Gaube entfernt. Die Bemessung kam vom Tragwerksplaner; nachbauen lässt sich das ohne eigene Berechnung nicht.

Raumhöhe und Kniestock entscheiden über die Nutzbarkeit

Zwei Maße bestimmen, wie viel Raum Sie gewinnen. Der Kniestock ist die Wandhöhe zwischen Fußboden und Dachschräge. Je höher er ist, desto weiter rückt die Schräge nach außen. Der Kehlbalken legt fest, wie hoch der Raum in der Mitte werden kann; darüber bleibt oft nur ein Spitzboden.

Ob ein Raum als Aufenthaltsraum, also als Wohn- oder Schlafraum, zulässig ist, regelt die Landesbauordnung. In Berlin etwa müssen Aufenthaltsräume im Dachraum seit dem 23.07.2026 über mindestens die Hälfte ihrer Netto-Raumfläche 2,20 m hoch sein; Raumteile bis 1,50 m Höhe zählen dabei nicht mit. Für Wohngebäude der Gebäudeklassen 1 und 2, also meist Ein- und Zweifamilienhäuser, schreibt Berlin seitdem keine Mindesthöhe mehr vor (§ 47 Abs. 1 BauO Bln, geändert durch das Gesetz für einfaches Bauen, GVBl. 2026 S. 692). Andere Länder weichen davon ab. Fehlt Höhe, helfen Gauben oder ein höheres Kehlgebälk. Beides ist ein Eingriff ins Tragwerk.

So rechnen Sie die Wohnfläche unter den Schrägen

Die Grundfläche des Dachbodens ist nicht die Wohnfläche. Nach § 4 der Wohnflächenverordnung zählen Flächen mit mindestens 2 m lichter Höhe voll, Flächen zwischen 1 und 2 m zur Hälfte, und Flächen unter 1 m gar nicht. Dachterrassen zählen in der Regel zu einem Viertel, höchstens zur Hälfte. Die Verordnung gilt unmittelbar für geförderten Wohnraum. Bei Mietverträgen wird sie häufig zugrunde gelegt.

  1. Höhenlinien einzeichnen: Im Grundriss markieren, wo die Schräge 1 m und wo sie 2 m über dem fertigen Fußboden liegt.
  2. Flächen trennen: Die Streifen unter 1 m, zwischen 1 und 2 m und ab 2 m getrennt ausmessen.
  3. Gewichten: Beispiel: 40 m² ab 2 m zählen voll, 24 m² zwischen 1 und 2 m zur Hälfte, also 12 m². 16 m² unter 1 m entfallen. Aus 80 m² Grundfläche werden 52 m² Wohnfläche.
  4. Fußbodenaufbau berücksichtigen: Jeder Zentimeter neuer Boden senkt die lichte Höhe und verschiebt die Linien nach innen.

Genehmigung: Der Ausbau ist meist eine Nutzungsänderung

Wird aus einem Dachboden Wohnraum, ändert sich die Nutzung. Ob dafür ein Bauantrag nötig ist, regelt die Landesbauordnung Ihres Bundeslandes. Gauben, Dachterrassen und neue Dachfenster verändern zudem die äußere Gestalt und können nach Bebauungsplan oder Denkmalschutz zusätzlich genehmigungspflichtig sein. Auch wenn kein Verfahren nötig ist, müssen Statik, Brandschutz und Wärmeschutz stimmen.

Ein Punkt wird oft übersehen: der zweite Rettungsweg. Liegt er nicht über eine zweite Treppe, dient meist ein Fenster, das die Feuerwehr anleitern kann. Die Musterbauordnung verlangt dafür eine lichte Öffnung von mindestens 0,90 × 1,20 m, höchstens 1,20 m über dem Fußboden (§ 37 Abs. 5 MBO). Liegt das Fenster in der Dachschräge oder in einer Gaube, darf seine Unterkante oder ein Austritt davor waagerecht gemessen höchstens 1 m von der Traufkante entfernt sein. Einzelne Länder weichen ab, Bayern etwa verlangt 0,60 × 1,00 m. Wie dick die Dämmung werden muss, erklärt der Ratgeber Dach dämmen im Altbau. Diese Seite ersetzt keine Rechtsberatung.

Die richtige Reihenfolge auf der Baustelle

  1. Bestand aufnehmen: Holzzustand, Schädlinge, Feuchte, Schornsteine und mögliche Schadstoffe prüfen lassen.
  2. Entwurf und Statik: Grundriss, Schnitt und Tragwerksplanung zusammen erstellen, nicht nacheinander.
  3. Genehmigung: Bauantrag stellen oder Verfahrensfreiheit schriftlich klären lassen.
  4. Entkernen: Einbauten, alte Böden und Schüttungen ausbauen, Schutt getrennt entsorgen.
  5. Tragwerk ertüchtigen: Balken tauschen oder verstärken, Auflager herstellen.
  6. Dach öffnen und schließen: Gauben, Dachfenster und Terrassen bauen, neu eindecken.
  7. Leitungen legen: Elektro, Wasser, Abwasser und Heizung vor der Dämmung verlegen.
  8. Dämmen und luftdicht schließen: Dämmung einbauen, Dampfbremse lückenlos verkleben.
  9. Innenausbau: Trockenbau, Fußbodenaufbau, Bad, Oberflächen.

Auf unserer Baustelle haben wir alte Schüttung zwischen den Deckenbalken ausgebaut, vor der Neueindeckung eine alte Räucherkammer abgerissen und Dachsteine und Ziegel in getrennten Containern entsorgt. Wie das im Einzelnen lief, lesen Sie in den Erfahrungsberichten Dachausbau in der Praxis: Entstehung einer 180-m²-Dachgeschosswohnung und Vorbereitung zum Dachausbau: Abriss der Räucherkammer. Technik und Preise darin stammen von 2009 bis 2015.

Welche Kostenposten belegt sind

Einen belastbaren Gesamtpreis je m² Wohnfläche für den Dachgeschossausbau haben wir in keiner Verbands-, Studien- oder BKI-Quelle frei zugänglich gefunden. Wir nennen deshalb die Einzelposten, die belegt sind. Addieren Sie sie nicht ungeprüft: Umfang und Bezugsgröße unterscheiden sich.

PostenRichtwertQuelle
Statik im Bestand, pauschal250–1.200 € pauschal†Commerzbank
Tragwerksplanung nach HOAI bei 50.000 € anrechenbaren Kosten6.170–13.420 € Honorar*§ 52 HOAI
Architekt, Zone III, 100.000 € anrechenbare Kosten17.860–22.270 € Honorar*§ 35 HOAI
Umbauzuschlag auf das Honorarbis 33 % auf das Honorar§ 36 HOAI
Dachgaube5.000–15.000 €/Stück†Aroundhome
Zwischensparrendämmung Mineralwolleca. 40 €/m²BKI über Schwäbisch Hall
Gipsplatte an Dachschräge, einlagig bzw. mit Dämmung102 bzw. 139 €/m²BKI über Schwäbisch Hall
Stand 10/2026. Preise brutto inkl. 19 % MwSt. * Aus dem Nettopreis der Quelle hochgerechnet. † Die Quelle sagt nicht, ob die MwSt. enthalten ist; ist der Wert netto, liegt der Bruttopreis bis zu 19 % höher. Unverbindliche Richtwerte aus den genannten Quellen, kein Angebot. Genaue Preise nennen Ihnen Fachbetriebe.

Die HOAI-Werte sind Orientierungswerte. Ob Ihr Vorhaben die genannten anrechenbaren Kosten erreicht, legt der Planer fest. Weitere Posten zur Dachsanierung stehen unter Dachsanierung: Kosten.

Wann Sie welchen Fachbetrieb brauchen

Ohne Tragwerksplaner und Entwurfsverfasser geht kein Dachgeschossausbau, der Wohnraum schafft. Holen Sie beide vor jeder Handwerkerplanung dazu. Ist ein Bauantrag nötig, stellen Sie ihn als Bauherr. Die Bauvorlagen muss aber ein bauvorlageberechtigter Entwurfsverfasser unterschreiben, in der Regel ein Architekt oder Bauingenieur. Für Planung und Bauantrag können Sie Architekten anfragen, für Balkenlage und Dachtragwerk Zimmereibetriebe und für Eindeckung, Gauben und Dämmung Dachdeckerbetriebe. Eigenleistung lohnt sich vor allem beim Entkernen und bei Oberflächen, wenn der Bauablauf es zulässt.

Häufige Fragen

Brauche ich für den Dachgeschossausbau eine Baugenehmigung?

Das hängt vom Land ab. Wird aus einem Dachboden Wohnraum, ist das eine Nutzungsänderung, die lange grundsätzlich genehmigungspflichtig war. Mehrere Länder haben den Ausbau zu Wohnzwecken inzwischen erleichtert oder verfahrensfrei gestellt, Bayern etwa seit 2025, wenn Dachkonstruktion und äußere Gestalt unverändert bleiben. Gauben und Dachterrassen sind häufig zusätzlich genehmigungspflichtig. Auch ohne Verfahren müssen Statik, Brandschutz und Wärmeschutz stimmen. Klären Sie das vor der Planung mit dem Entwurfsverfasser oder der Bauaufsicht.

Wie hoch muss ein Dachgeschoss für ein Wohnzimmer sein?

Das regelt jedes Land selbst. In Berlin sind es seit dem 23.07.2026 2,20 m über mindestens die Hälfte der Netto-Raumfläche; Raumteile bis 1,50 m zählen nicht. In Ein- und Zweifamilienhäusern (Gebäudeklassen 1 und 2) gilt dort keine Mindesthöhe mehr. Fragen Sie für Ihr Land beim Planer oder der Bauaufsicht nach.

Wie viel Wohnfläche bringt ein Dachboden mit 80 m²?

Das hängt von Kniestock und Dachneigung ab. Nach § 4 WoFlV zählen Flächen ab 2 m Höhe voll und zwischen 1 und 2 m zur Hälfte. In unserem Rechenbeispiel bleiben von 80 m² Grundfläche 52 m² Wohnfläche. Das hat der BGH für Mietverträge ohne abweichende Vereinbarung bestätigt (VIII ZR 33/18). Bei Kaufverträgen gilt die WoFlV nur, wenn sie vereinbart ist.

Trägt meine alte Holzbalkendecke einen Ausbau?

Das kann nur ein Tragwerksplaner nach Aufmaß und Prüfung des Holzes sagen. Oft müssen Balken verstärkt, ausgetauscht oder durch Stahl ergänzt werden, weil der Dachboden nie für Wohnlasten gebaut wurde.

Was kostet ein Dachgeschossausbau pro Quadratmeter?

Einen belegten Gesamtwert je m² haben wir nicht gefunden. Belegt sind Einzelposten wie die Statik im Bestand mit 250–1.200 € pauschal† oder eine Gaube mit 5.000–15.000 €/Stück†. Ein verlässlicher Gesamtpreis entsteht erst aus Planung und Angeboten.

Begriffe aus dem Baulexikon

Kniestock · Kehlbalken · Holzbalkendecke · Tragwerksplanung

Angebotsservice

Drei Angebote von Betrieben, die Arbeiten im Bestand anbieten.

Acht kurze Fragen, rund zwei Minuten. Derzeit haben wir noch keine Partnerbetriebe: Ihre Anfrage liest der Inhaber von Altbau-Ausbau.de selbst und antwortet Ihnen innerhalb von zwei Werktagen, etwa mit einem passenden Kontakt. Ihre Daten gibt er nur mit Ihrer Zustimmung weiter.

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Bezahlt wird der Service von den Handwerksbetrieben, die eine Anfrage annehmen.

Stand: 10/2026Zuletzt aktualisiert: Redaktion: René Lindelaub