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Schimmelgrenzen-Report 2026: Wann 60 % Luftfeuchte im Altbau zu viel sind

Wie feucht darf die Luft in einer Altbauwohnung sein? Die übliche Antwort lautet 40 bis 60 %. Wir haben nachgerechnet – für fünf typische Außenwände, drei Stellen im Raum und jeden einzelnen Tag der Jahre 1991 bis 2020 in elf deutschen Städten. Ergebnis: In einer ungedämmten Altbauwohnung sind 60 % an fast der Hälfte aller Tage zu viel. An einer gedämmten Wand an keinem einzigen.

60 % zu viel, Raumecke
165 Tage im Jahr
hinter dem Schrank
212 Tage
gedämmte Wand
0 Tage

Die Ergebnisse

  • Die Faustregel passt nicht zum Altbau. In der Raumecke einer ungedämmten 24er-Ziegelwand erreicht die Wandoberfläche bei 60 % Raumluftfeuchte in Potsdam an 165 Tagen im Jahr die Schimmelgrenze von 80 %. Selbst 50 % sind an 61 Tagen zu viel.
  • Hinter Möbeln ist es am kritischsten. Steht ein Schrank an derselben Wand, sind 60 % an 212 Tagen zu viel, 50 % an 144 Tagen – also praktisch die ganze Heizperiode.
  • Dicke Wände helfen, lösen das Problem aber nicht. Bei 36,5 cm Vollziegel sind es in der Ecke noch 121 Tage, bei Hohlblock- oder Bimswänden der 1950er- bis 1970er-Jahre 54 Tage.
  • Dämmung beseitigt das Problem. An einer gedämmten Außenwand liegt die Grenze an keinem Tag unter 60 % – auch nicht hinter dem Schrank.
  • Das Klima macht weniger aus als die Wand. Zwischen dem mildesten Ort, Köln/Bonn, und dem kältesten, Erfurt, liegen 30 Tage. Zwischen ungedämmter und gedämmter Wand liegen 165.

An wie vielen Tagen 60 % zu viel sind

090180270365Tage im JahrVollziegel 24 cm72165212Fachwerk45151205Vollziegel 36,5 cm14121191Hohlblock/Bims 30 cm154161gedämmtan keinem Tag
freie WandRaumeckehinter dem Schrank
Tage im Jahr, an denen bei 20 °C Raumtemperatur schon 60 % Luftfeuchte an der Wand zur Schimmelgrenze führen. Potsdam, Tageswerte 1991–2020. Eigene Auswertung nach DIN 4108-2 mit Daten des Deutschen Wetterdienstes.

Die freie Wandfläche ist fast immer unkritisch, auch im Altbau. Schimmel entsteht an den kalten Stellen: in Außenecken, an Fensterlaibungen und vor allem hinter Möbeln, die direkt an der Außenwand stehen. Dort kommt kaum warme Raumluft an, die Oberfläche kühlt aus. Wer dort misst, sieht das Problem – das Hygrometer in der Raummitte zeigt es nicht.

Städtevergleich

050100150200Tage im JahrErfurt174128Dresden165119Potsdam165121Hamburg164109Leipzig/Halle162115Stuttgart160114Braunschweig159108Berlin158111München157114Frankfurt am Main14597Köln/Bonn14491
Vollziegel 24 cmVollziegel 36,5 cm
Tage im Jahr, an denen 60 % Luftfeuchte in der Raumecke einer ungedämmten Ziegelwand zu viel sind. Raum 20 °C, Tageswerte 1991–2020 des Deutschen Wetterdienstes.

Im Osten und in höheren Lagen sind die Winter länger und kälter, deshalb liegen Erfurt, Dresden und Potsdam vorn. Im Rheinland sind es rund 20 Tage weniger. Überall gilt aber: Eine ungedämmte Ziegelwand verträgt 60 % Luftfeuchte im Winter nicht.

Richtwerte für das Hygrometer, Monat für Monat

übliche Empfehlung 40–60 %40 %50 %60 %70 %80 %JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Vollziegel 24 cmFachwerkVollziegel 36,5 cmHohlblock/Bims 30 cmgedämmt
Höchste Luftfeuchte in der Raumecke bei 20 °C, die auch an den kältesten zehn Prozent der Tage eines Monats keinen Schimmel zulässt. Potsdam, 1991–2020.
MonatVollziegel 24 cmVollziegel 36,5 cmHohlblock/Bimsgedämmt
Jan40 %47 %53 %71 %
Feb43 %49 %55 %71 %
Mär47 %53 %58 %73 %
Apr53 %58 %63 %74 %
Mai60 %64 %67 %76 %
Jun66 %69 %71 %77 %
Jul70 %72 %74 %78 %
Aug70 %72 %74 %78 %
Sep63 %66 %69 %76 %
Okt53 %58 %63 %74 %
Nov47 %53 %58 %73 %
Dez43 %49 %55 %71 %
Höchste Luftfeuchte bei 20 °C, gemessen in der Raummitte, die auch an den kältesten zehn Prozent der Tage in der Raumecke keinen Schimmel zulässt. Klima Potsdam 1991–2020; in Köln und Frankfurt liegen die Winterwerte etwa 2 bis 3 Prozentpunkte höher, in Erfurt 1 bis 2 Punkte niedriger.

Die Tabelle eignet sich als Aushang für Mieter und als Grundlage für eine Lüftungsempfehlung. Für einen einzelnen Raum mit anderer Wand, Stelle oder Temperatur rechnet der Luftfeuchte-Rechner.

Was daraus folgt

Für Mieter und Eigentümer

  • Im Winter im ungedämmten Altbau 45 bis 50 % anpeilen, nicht 60 %.
  • Möbel 5 bis 10 cm von Außenwänden abrücken; große Schränke an Innenwände.
  • Nach dem Duschen, Kochen und Aufstehen stoßlüften, bei Frost 5 Minuten, in der Übergangszeit länger.
  • Kühle Räume nicht mit warmer, feuchter Luft aus anderen Räumen „mitheizen“ – die Feuchte schlägt sich an den kalten Wänden nieder.

Für Vermieter und Hausverwaltungen

  • Eine pauschale Lüftungsempfehlung mit „40 bis 60 %“ reicht für ungedämmte Bestände nicht. Die Monatsrichtwerte oben sind eine belastbarere Grundlage.
  • Häufen sich Schimmelfälle in Raumecken und hinter Möbeln, ist das ein bauliches Muster, kein Einzelfall des Nutzerverhaltens.
  • Die wirksamste Maßnahme ist eine Dämmung der Außenwand – von außen oder, wo das nicht geht, mit einer geeigneten Innendämmung.

Relative Feuchte hängt an der Temperatur

Die Werte gelten für 20 °C Raumtemperatur. In kühleren Räumen darf die relative Luftfeuchte etwas höher sein – aber dieselbe Menge Wasserdampf ergibt dort auch eine höhere relative Feuchte. Ein Hygrometer-Wert ist deshalb nur zusammen mit der Raumtemperatur aussagekräftig.

Methode

  • Schimmelkriterium: relative Luftfeuchte an der Wandoberfläche von 80 % nach DIN 4108-2. Oberhalb davon kann Schimmel wachsen, wenn der Zustand mehrere Tage anhält.
  • Oberflächentemperatur: stationär aus dem U-Wert der Wand, Raumtemperatur 20 °C und der Tagesmitteltemperatur außen. Wärmeübergangswiderstand innen 0,13 m²K/W für die freie Wand, 0,25 für Raumecken und Laibungen, 0,50 hinter Möbeln.
  • Wände: Vollziegel 24 cm U 2,0; Fachwerk mit Ausfachung U 1,8; Vollziegel 36,5 cm U 1,5; Hohlblock oder Bims 30 cm U 1,1; gedämmt U 0,3 W/(m²K), jeweils verputzt.
  • Klima: Tagesmittel der Lufttemperatur 1991–2020 an elf Stationen des Deutschen Wetterdienstes: Berlin-Tempelhof, Braunschweig, Dresden-Klotzsche, Erfurt-Weimar, Frankfurt am Main, Hamburg-Fuhlsbüttel, Köln/Bonn, Leipzig/Halle, München-Stadt, Potsdam, Stuttgart-Echterdingen.
  • Sättigungsdampfdruck: Magnus-Formel über Wasser, unter 0 °C über Eis.
  • Grenzen der Rechnung: Feuchtespeicherung in Putz und Mauerwerk, Sonneneinstrahlung und die Trägheit dicker Wände sind nicht berücksichtigt. Sie glätten kurze Kälteperioden; in länger anhaltenden Frostphasen, auf die es ankommt, stellt sich der berechnete Zustand an der Wand tatsächlich ein. Geometrische Wärmebrücken wie Außenecken sind über den erhöhten Übergangswiderstand nur näherungsweise erfasst.

Daten, Grafiken und Zitieren

  • Alle Werte als Tabelle: schimmelgrenzen-tage-1991-2020.csv – elf Städte, fünf Wände, drei Stellen, Tage über 50, 55 und 60 %.
  • Grafiken: auf der Seite Presse und Daten als PNG zum Download.
  • Lizenz: CC BY 4.0 – frei nutzbar, auch gewerblich, mit Nennung und Link der Quelle.
  • Zitiervorschlag: Altbau-Ausbau.de (2026): Schimmelgrenzen-Report 2026. Wann 60 % Luftfeuchte im Altbau zu viel sind. https://www.altbau-ausbau.de/schimmelgrenzen-report/

Datenbasis Klima: Deutscher Wetterdienst, Climate Data Center, tägliche Stationsmessungen, eigene Auswertung. Für Rückfragen zur Methode: Kontakt für Redaktionen.

Begriffe aus dem Baulexikon

Schimmel · Taupunkt · Wärmebrücke · U-Wert · Innendämmung · Kondensat

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