Die meisten Ratgeber nennen 40 bis 60 % als optimale Luftfeuchtigkeit. Für einen Neubau stimmt das. In einem ungedämmten Altbau kann schon 55 % an der Außenwand zu viel sein – nicht wegen der Luft, sondern wegen der kalten Wand. Welcher Wert in Ihrem Raum gilt, hängt von der Wand, der Stelle und dem Wetter ab. Der Rechner auf dieser Seite zeigt es Ihnen als Kurve.
- Neubau, gedämmt
- bis 60 %
- Altbau im Winter
- oft unter 50 %
- Schimmelgrenze
- 80 % an der Wand
- Stand
- 09/2026
Die kurze Antwort
| Raum | Luftfeuchte bei 20 °C | im ungedämmten Altbau, Winter |
|---|---|---|
| Wohn- und Arbeitszimmer | 40–60 % | 40–50 % |
| Schlafzimmer, kühler als 18 °C | 40–60 % | 40–45 % – kühle Räume sind heikler |
| Küche und Bad | kurz bis 70 %, danach lüften | nach dem Duschen sofort lüften |
| Keller | unter 65 % | im Sommer nicht tagsüber lüften |
Der Grund: Schimmel braucht keine nasse Wand. Es reicht, wenn die Luft direkt an der Oberfläche über mehrere Tage mehr als 80 % Feuchte hat. Und das hängt davon ab, wie kalt die Wand ist.
Warum die Wand entscheidet, nicht die Luft
Warme Luft kann mehr Wasserdampf halten als kalte. Kühlt Raumluft von 20 °C und 50 % an einer Wand ab, steigt ihre relative Feuchte: Bei 12,6 °C erreicht sie 80 %, die Schimmelgrenze, bei 9,3 °C 100 %, den Taupunkt – dann schlägt sich Wasser nieder. Wie warm die Innenseite der Wand ist, hängt von ihrem U-Wert und der Außentemperatur ab.
Die freie Wandfläche ist dabei noch der günstigste Fall. In Raumecken strömt weniger warme Luft an die Wand, und die Außenecke gibt über zwei Flächen Wärme ab – eine klassische Wärmebrücke. Hinter einem Schrank an der Außenwand ist es nochmals kälter. Deshalb beginnt Schimmel fast immer dort.
Luftfeuchte-Rechner
Wählen Sie Ihre Außenwand und die Stelle, an der Sie Schimmel befürchten, und geben Sie ein, was Ihr Hygrometer zeigt. Die erste Grafik zeigt für jede Wandart, wie feucht die Luft bei welcher Außentemperatur höchstens sein darf – und wo Ihre Messung liegt. Die zweite zeigt, wie oft Sie bei welchem Wetter lüften müssen.
So feucht darf die Luft im Altbau sein
| Außenwand | +5 °C | 0 °C | −5 °C | −10 °C |
|---|---|---|---|---|
| Vollziegel 24 cm | 54 % | 47 % | 41 % | 36 % |
| Fachwerk, ungedämmt | 56 % | 49 % | 44 % | 39 % |
| Vollziegel 36,5 cm | 59 % | 53 % | 48 % | 43 % |
| Hohlblock oder Bims 30 cm, 1950–1975 | 63 % | 58 % | 54 % | 50 % |
| gedämmt, 12 cm und mehr | 74 % | 73 % | 71 % | 69 % |
Die Tabelle erklärt, warum im Altbau so viele Menschen Schimmel haben, obwohl ihr Hygrometer „normal“ zeigt: 55 % sind bei Frost für eine Ecke in einem Ziegelhaus der Gründerzeit schlicht zu viel. Im gedämmten Haus dagegen ist dieselbe Luftfeuchte völlig unkritisch.
| Außenwand | freie Wand | Raumecke | hinter dem Schrank |
|---|---|---|---|
| Vollziegel 24 cm | 57 % | 47 % | 38 % |
| Vollziegel 36,5 cm | 62 % | 53 % | 43 % |
| gedämmt | 76 % | 73 % | 67 % |
Möbel 10 cm von der Außenwand
Ein Schrank direkt an der ungedämmten Außenwand senkt die zulässige Luftfeuchte dahinter um zehn Prozentpunkte. Ein Abstand von 5 bis 10 cm und ein offener Sockel lassen warme Luft dahinter strömen. Große Schränke gehören, wenn es geht, an Innenwände.
Woher die Feuchtigkeit kommt
Diese Menge muss jeden Tag hinaus – durch Lüften, eine Lüftungsanlage oder Undichtigkeiten. Alte Fenster und Türen haben früher einen Teil davon erledigt. Wer die Fenster tauscht, ohne sein Lüften anzupassen, bekommt deshalb oft im ersten Winter Schimmel. Mehr dazu unter Fenster im Altbau einbauen.
Richtig lüften: Warum Winterluft trocknet
Kalte Außenluft ist trocken, auch wenn draußen Nebel steht. Luft mit −5 °C und 85 % Feuchte enthält nur 2,8 Gramm Wasser je Kubikmeter; ins Zimmer geholt und auf 20 °C erwärmt, hat sie nur noch rund 15 % relative Feuchte. Die Raumluft mit 50 % enthält 8,6 Gramm. Jeder Luftwechsel trägt also die Differenz hinaus.
| Außentemperatur | Wasser je Stoßlüftung | Stoßlüftungen am Tag |
|---|---|---|
| −10 °C | rund 1,1 Liter | 5 |
| −5 °C | rund 0,9 Liter | 6 |
| 0 °C | rund 0,7 Liter | 8 |
| +5 °C | rund 0,5 Liter | 12 |
| +10 °C | rund 0,25 Liter | 21 |
| +15 °C und wärmer | Außenluft oft feuchter als die Raumluft | dauerhaft kippen erlaubt – die Wände sind warm |
Daraus folgt der unbequeme Teil: Im Herbst und Frühjahr, bei 5 bis 10 °C, bringt Lüften am wenigsten, und die Wände sind trotzdem schon kalt. Das ist die Schimmelzeit im Altbau. Dann helfen häufigeres und längeres Lüften, Heizen auch der kühlen Räume und die Wäsche draußen.
- Durchzug statt Kippfenster: Gegenüberliegende Fenster 5 bis 10 Minuten ganz öffnen. Ein Kippfenster tauscht kaum Luft aus, kühlt aber den Sturz darüber aus.
- Feuchte dort abführen, wo sie entsteht: nach dem Duschen, Kochen und Aufstehen – Türen dabei schließen, damit der Dampf nicht in kühle Räume zieht.
- Kühle Räume nicht mit warmer Luft aus anderen Räumen heizen: Die Feuchtigkeit kommt mit und kondensiert an den kalten Wänden. Schlafzimmer lieber auf 17 °C heizen als mit offener Tür.
- Messen: Ein Hygrometer kostet 15 €. Stellen Sie es in die Raummitte, nicht ans Fenster.
- Nicht auskühlen: Tagsüber nicht unter 16 °C absenken. Kalte Wände und dann plötzlich feuchte Luft sind die schlechteste Kombination.
Beim Keller ist es umgekehrt: Im Sommer bringt warme Außenluft Wasser in den kühlen Keller. Wann dort Lüften hilft, zeigt der Lüftungs-Check für den Keller.
Wenn Lüften nicht reicht
| Maßnahme | Wirkung | Kosten |
|---|---|---|
| Möbel abrücken, Heizkörper nicht zustellen | Ecke 2 bis 4 °C wärmer | nichts |
| Luftentfeuchter im Problemraum | senkt die Feuchte schnell, verbraucht Strom | 150–400 € plus Strom |
| Kalkputz oder Lehmputz innen | puffert Spitzen, schimmelhemmend | 40–80 € je m² |
| Lüftung mit Wärmerückgewinnung, dezentral | lüftet dauerhaft ohne Fensteröffnen | 800–1.500 € je Gerät eingebaut |
| Innendämmung der Außenwand | Wand innen 3 bis 5 °C wärmer | siehe Innendämmung |
| Außendämmung | Problem gelöst | siehe Fassade dämmen |
Kommt die Feuchtigkeit nicht aus der Luft, sondern aus dem Mauerwerk – aufsteigend, seitlich oder durch einen Schaden –, hilft Lüften gar nicht. Die typischen Muster unterscheidet die Feuchte-Diagnose. Und wenn Schimmel schon da ist: Schimmel bis etwa einen halben Quadratmeter können Sie selbst entfernen, größere Flächen gehören in Fachhand.
Häufige Fragen
Welche Luftfeuchtigkeit ist in der Wohnung optimal?
Für die Gesundheit 40 bis 60 %. Im ungedämmten Altbau liegt die Obergrenze im Winter niedriger, oft bei 45 bis 50 %, weil die Außenwände kalt sind.
Ist 60 % Luftfeuchtigkeit zu hoch?
Im gedämmten Haus nein. Im ungedämmten Altbau bei Frost ja, zumindest für Raumecken und Stellen hinter Möbeln an der Außenwand.
Wie oft sollte man am Tag lüften?
Im Winter drei- bis sechsmal die ganze Wohnung für 5 bis 10 Minuten mit Durchzug, in der Übergangszeit deutlich öfter. Der Rechner oben zeigt die Zahl für Ihren Haushalt.
Warum schimmelt es im Altbau trotz Lüften?
Weil die Wand zu kalt ist. Lüften senkt die Luftfeuchte, macht die Wand aber nicht wärmer. Dann helfen Heizen, Möbel abrücken oder eine Dämmung.
Ist zu trockene Luft ein Problem?
Unter 30 % trocknen Schleimhäute aus, und Holz schwindet. Im Altbau ist das selten die größere Sorge; ein Luftbefeuchter kann an der kalten Außenwand mehr schaden als nützen.
Quellen: DIN 4108-2 Mindestanforderungen an den Wärmeschutz, Kriterium 80 % Oberflächenfeuchte; DIN EN ISO 6946 zur Berechnung des Wärmedurchgangs; Umweltbundesamt, Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden; Sättigungsdampfdruck nach der Magnus-Formel. Berechnungen stationär, ohne Feuchtespeicherung im Putz.
Begriffe aus dem Baulexikon
Taupunkt · Wärmebrücke · U-Wert · Schimmel · Kondensat · Innendämmung
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