Was der Betrieb übernimmt
- Dachstuhl instand setzen: Sparren aufdoppeln, Kehlbalken versetzen, Pfetten auswechseln
- Balkenköpfe sanieren, wenn das Auflager im Mauerwerk verfault ist
- Holzbalkendecken ertüchtigen für Wohnnutzung, Schall- und Brandschutz
- Auswechslungen für Treppenöffnungen und nach dem Rückbau eines Schornsteins
- Gauben, Dachflächenfenster, Anbauten und Aufstockungen
- Fachwerk: Schwellen, Ständer und Riegel abbinden und einsetzen
- Tragwerksplanung und Standsicherheitsnachweis für den Bauantrag
Im Bestand besonders zu beachten
Die Lastannahmen sind der Punkt, an dem die meisten Ausbauvorhaben kippen. Ein nicht ausgebauter Dachboden ist als Lagerfläche bemessen, in der Größenordnung von einem Kilonewton je Quadratmeter. Für Wohnnutzung sind 1,5 bis 2,0 kN/m² anzusetzen, dazu ein Zuschlag für nicht tragende Trennwände. Die vorhandenen Balken tragen das oft – aber eben nicht immer, und ohne Nachweis weiß es niemand. Wie sich das auf einen Dachgeschossausbau auswirkt, steht dort ausführlich.
Der zweite Klassiker ist der Balkenkopf. Wo ein Deckenbalken in der Außenwand aufliegt, ist es feucht und schlecht belüftet; nach hundert Jahren ist das Holz dort weich, während der Balken einen Meter weiter kerngesund ist. Sichtbar wird das erst, wenn der Putz ab ist. Wer eine Innendämmung plant, sollte die Balkenköpfe vorher öffnen lassen – danach ist die Stelle für Jahrzehnte zu.
Erst die Ursache, dann das Holz
Verfaultes Holz ist fast nie ein Holzproblem. Dahinter steht ein undichtes Dach, eine fehlende Sperrschicht oder ein Rohrschaden. Wird nur der Balken getauscht, ist der neue in zehn Jahren genauso weit. Bei Verdacht auf Echten Hausschwamm gilt zusätzlich: nichts abreißen, nichts abdecken, sondern erst einen Sachverständigen – siehe Feuchtigkeit und Keller.
Dazu kommt ein Zuschlag für nicht tragende Trennwände: 0,5 kN/m² bei leichten Wänden bis 1,0 kN je laufendem Meter, 0,8 bei bis zu 2,0 kN/m. Ein Dachboden, der Wohnraum werden soll, muss also gut das Doppelte tragen wie bisher.
Woran Sie einen schadhaften Balken erkennen
Vieles davon sieht man erst, wenn Verkleidung oder Putz ab sind. Manches kündigt sich aber vorher an, und dann lohnt es sich, eine Bauteilöffnung vor die Planung zu setzen statt danach.
| Anzeichen | Wahrscheinliche Ursache | Was daraus folgt |
|---|---|---|
| Runde Ausfluglöcher von 1 bis 2 mm, feines Bohrmehl | Gemeiner Nagekäfer, der Holzwurm | Meist begrenzt und behandelbar; entscheidend ist, ob der Befall noch aktiv ist |
| Ovale Löcher von 6 bis 10 mm im Nadelholz | Hausbock | Frisst nur das Splintholz, kann einen Sparren aber innerlich aushöhlen. Immer vom Fachbetrieb bewerten lassen |
| Weißes, watteartiges Geflecht, rostbraune Fruchtkörper, Würfelbruch im Holz | Echter Hausschwamm | Sofort stoppen. Er wächst durch Mauerwerk, in mehreren Bundesländern ist er meldepflichtig |
| Spürbare Durchbiegung, Risse im Deckenputz längs der Balken | Überlastung oder zu große Stützweite | Tragwerksnachweis, bevor irgendetwas aufgebaut wird |
| Weiche Stellen dort, wo der Balken in der Außenwand liegt | Auflagerfäule am Balkenkopf | Der Klassiker im Altbau. Ursache ist Feuchte, nicht das Holz |
| Muffiger Geruch im geschlossenen Raum | Erhöhte Holzfeuchte | Unter 20 Prozent Holzfeuchte wächst kein Pilz. Messen lassen, bevor gehandelt wird |
Die vier Wege, eine Holzbalkendecke zu ertüchtigen
Welcher davon infrage kommt, entscheidet der Tragwerksplaner – und zwar zuerst danach, ob die tragenden Wände das zusätzliche Gewicht überhaupt aufnehmen.
| Verfahren | Was es bringt | Eigenlast | Spanne |
|---|---|---|---|
| Balken seitlich anlaschen oder aufdoppeln | Mäßiger Zugewinn, gut bei einzelnen schwachen Balken | gering | 60–140 € je m² |
| Unterzug oder Stahlträger einziehen | Halbiert die Stützweite, größter Effekt je Euro | gering, punktuell | 250–600 € je lfm |
| Holz-Beton-Verbunddecke mit 6 bis 8 cm Aufbeton | Deutlich mehr Tragfähigkeit und Steifigkeit, dazu Schallschutz | rund 150 kg/m² | 150–300 € je m² |
| Decke vollständig erneuern | Freie Wahl von Aufbau und Höhe | je nach Bauart | 200–450 € je m² |
Was der Tragwerksplaner braucht
Je mehr davon vorliegt, desto kürzer wird die Rechnung – und desto weniger muss geschätzt und damit auf der sicheren Seite gerechnet werden.
- Bestandspläne oder wenigstens ein Aufmaß mit Stützweiten
- Balkenquerschnitte und Achsabstände, gemessen statt geschätzt
- Eine Bauteilöffnung je Deckenfeld, möglichst am Auflager in der Außenwand
- Holzart und Holzfeuchte, bei Verdacht ein Gutachten zum Schädlingsbefall
- Die geplante Nutzung mit allen Lasten – auch Badewanne, Kaminofen und Bücherwand
- Angaben zum Mauerwerk, auf dem die Decke aufliegt
Ohne Bestandsstatik wird geschätzt – und zwar nach unten
Für die meisten Altbauten existiert keine Statik mehr. Der Tragwerksplaner muss dann von der ungünstigsten plausiblen Annahme ausgehen: schlechtere Holzgüte, größere Stützweite, ungewisse Auflagertiefe. Das Ergebnis ist eine Ertüchtigung, die vielleicht gar nicht nötig wäre. Eine Bauteilöffnung für ein paar hundert Euro spart deshalb oft mehrere tausend – sie gehört vor den Nachweis, nicht danach.
Was den Preis bestimmt
| Leistung | Spanne | Bezug |
|---|---|---|
| Tragwerksplanung für einen Wanddurchbruch | 800–2.500 € | je Nachweis |
| Tragwerksplanung für Ausbau oder Aufstockung | 2.500–6.000 € | je Vorhaben |
| Balkenkopf sanieren, Prothese oder Harzverfahren | 300–900 € | je Balken |
| Sparren aufdoppeln für mehr Dämmstärke | 25–60 € | je laufender Meter |
| Holzbalkendecke für Wohnnutzung ertüchtigen | 80–180 € | je m² Deckenfläche |
| Schleppgaube | 8.000–20.000 € | je Stück |
| Dachstuhl vollständig erneuern | 120–250 € | je m² Dachfläche |
| Aufstockung um ein Geschoss | 1.800–3.000 € | je m² neuer Wohnfläche |
Häufige Fragen
Brauche ich für einen Wanddurchbruch wirklich einen Statiker?
Sobald die Wand tragend ist: ja. Ob sie tragend ist, lässt sich im Altbau nicht an der Dicke ablesen – eine 11,5 cm starke Wand kann tragend sein, eine 24er nicht. Die Prüfung kostet wenig, der nachträgliche Nachweis nach einem Riss sehr viel.
Zimmerer oder Statiker – wen zuerst?
Bei allem, was Lasten ändert, den Tragwerksplaner. Er sagt, was geht; der Zimmerer setzt es um. Viele Zimmereien arbeiten fest mit einem Büro zusammen und organisieren das mit – fragen Sie danach, das spart eine Schnittstelle.
Kann ich ein Dach aufstocken, ohne neu zu gründen?
Häufig ja, wenn in Holzbauweise aufgestockt wird: Das Eigengewicht liegt deutlich unter dem einer Massivbauweise, und die vorhandene Gründung trägt es oft mit. Entschieden wird es über die Bestandsstatik und, wenn die fehlt, über eine Bauteilöffnung.
Wird das gefördert?
Der konstruktive Teil nicht. Gefördert wird der energetische Anteil – die Dämmung des Dachs, die neuen Fenster. Wer aufdoppelt, um überhaupt dämmen zu können, sollte das im Angebot getrennt ausweisen lassen, damit der förderfähige Teil sauber abgrenzbar ist.
Begriffe aus dem Baulexikon
Holzbalkendecke · Nutzlast · Tragwerksplanung · Hausbock · Gemeiner Nagekäfer · Echter Hausschwamm · Sparren · Pfette · Kehlbalken · Kappendecke
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Stand: 09/2026Zuletzt aktualisiert: Redaktion: René Lindelaub
