Bild an die Wand – Kleben oder Bohren & Schrauben?

Donnerstag, 2. Januar 2014 | Autor:

Diese Frage ist schon alt und wird oft diskutiert. Zusammenfassend soll dieser Ratgeber daher einen Überblick geben, in welchen Situationen, insbesondere beim Aufhängen eines Bildes, es sinnvoller ist, etwas zu kleben, und in welchen man besser ein paar Schrauben zur Befestigung nutzt. Grundsätzlich gilt dabei: Schrauben bei schweren Lasten, Kleben bei geringerer Last. Doch selbst das ist nicht immer richtig. Wie also weiß man, welche Befestigungsart am besten ist?

Die Bohrung und der Kleber genauer betrachtet

Bild an die Wand kleben statt bohrenIm Grunde macht die Schraube in der Bohrung nichts anderes als zwei Körper zusammenzuziehen. Die Drehwirkung der Schraube bewirkt dank dem Gewinde, dass die Zugkraft größer wird. Die Kraft lastet letztendlich an dem Gewinde und am Schraubkopf. Eine normale Schraube ist daher nicht für Querkräfte ausgelegt, diese sollten über die Kontaktfläche des Materials aufgenommen werden.
Beim Kleber ist im Grunde fast alles anders: Er besteht aus dem Klebstoff und einem Lösungsmittel, welches sich beim Klebevorgang verflüchtigt. Der Klebstoff härtet aus und geht mit der Kontaktfläche eine chemische Bindung ein. Am stärksten ist hier eine Atombindung, am schwächsten eine zwischenmolekulare Bindung durch Wasserstoffbrücken, Van der Waals Kräfte oder Ladungen. Der Kleber kann neben Zugspannungen entgegen der Schraube auch gut Querkräfte aufnehmen, da die gesamte Fläche mit der Kraft belastet wird. Etwas anders formuliert: Ein im Boden verschraubter Block ist leichter „wegzuschieben“ als ein geklebter.

Welche Arten von Schrauben und Klebern gibt es?

Für die verschiedenen Materialien gibt es entsprechende Schrauben bzw. Kleber. Bei beidem muss man darauf achten, gerade beim Kleber kann eine Fehlentscheidung sonst sogar destruktive Auswirkungen haben, denn manche Lösungsmittel lösen auch die zu klebenden Materialien. Den meisten passiert das beispielsweise beim Kleben von Styropor.

Bei Bildern ist das eher Nebensache, doch muss man sagen, dass so etwas bei Schrauben bzw. Bohrungen nicht passieren kann. Hier besteht immer die Möglichkeit, die Befestigung wieder zu lösen. Das ist neben der enormen Zugkraft wohl eine der stärksten Vorteile von Schrauben. Als Nachteil wäre vielleicht Korrosion anzuführen. Manche Schrauben rosten – das macht ein Kleber nicht. Der Vorteil von Kleber ist dagegen, dass es besonders bei Bildern ungleich einfacher ist, Dinge zu kleben als zu verschrauben. Das geht sogar bis hin zur Unmöglichkeit: Eine zerbrochene Skulptur oder einen Deko-Wandteller kann man nur durch Kleben richtig reparieren – da ist schon ein zweiter Vorteil versteckt: Beim Kleben bleiben keine sichtbaren Befestigungsrückstände zurück – oder anders: Eine Schraube sieht man manchmal, den Kleber nicht.

Natürlich gibt es unzählbar viele unterschiedliche Arten von Klebern und Schrauben. Hier mal ein paar Beispiele:

Schrauben:

  • Senkkopfschrauben
  • Stockschrauben
  • Blechschraube
  • Maschinenschraube
  • Schraubenhaken
  • Zierkopfschraube
  • Linsenkopfschraube
  • Spanplattenschraube

 

Kleber:

  • Kunststoffkleber
  • Porzellankleber
  • Zwei-Komponenten-Kleber
  • Heißkleber
  • Klebestifte
  • Klebefolien
  • Klebepads
  • Tapetenkleister

 

Im Grunde sind die meisten Beispiele selbsterklärend, doch soll das eigentlich nur zeigen, dass, egal ob Schrauben oder Kleben, besonders auf das Material geachtet werden muss – auch bei Bildern. Es kommt hier beim Bohren fast ausschließlich auf das Material der Wand an, beim Kleben muss auch das Material des Bildes beachtet werden. Preislich sind die Schrauben in der Regel günstiger, allerdings kommt es in der Aufwandsbetrachtung auch auf den Arbeitsaufwand an – und der ist beim bohren in der Regel höher. Gerade das letzte Beispiel (Tapetenkleister) bei der Kleberseite zeigt wieder deutlich: Wenn die Optik im Vordergrund steht, wird fast immer geklebt.

Kleben statt Bohren – Vorgehensweise

Im folgenden Video werden selbst Griffe mit einem sehr ausgeklügelten System aufgeklebt. Im Belastungstest stellt ein 100 kg schwerer Mann unter beweis, dass der Griff fest verklebt wurde.

Beim Kleben muss man bis auf das Material nichts beachten was nicht auf der Verpackung steht. Man nimmt den Kleber oder die Klebepads, befestigt diese am Bild und hängt das dann an die Wand. Die Kontaktflächen sollten vorher saubergemacht werden.
Schrauben ist da schon komplizierter. Schraubt man in Holz kommt man im Grunde zwar ohne Bohrung oder Leitungssuche aus, aber dennoch muss man dafür einiges an Kraftmehraufwand leisten, als wenn man Kleben würde.

Bild an die Wand klebenBei Beton ist es komplizierter: Mit einem Steinbohrer wird das Loch gebohrt, in welches ein Dübel kommt. Im Anschluss daran wird die Schraube hinein geschraubt, am besten gleich ein Schraubenhaken. Erst beim Trockenbau mit Gipskartonplatten, wird es etwas aufwendiger: Hier benötigt man einen Klappdübel, wenn man das Bild richtig befestigen will.

Praxistipp: Um das Bild optimal an der Wand auszurichten, empfihlt es sich, eine Wasserwaage oder einen Kreuzlinienlaser zuhilfe zu nehmen. Dabei sollte mit dem Bleistift eine horizontale Linie auf die Wand projiziert werden. Allerdings darf diese nicht über die Bildfläche hinausgehen.

Wichtig: Bei allen Wandtypen außer bei Holz sollte darauf geachtet werden, dass man keine Leitung (Strom, Wasser, Gas) erwischt. Beim Schrauben benötigt man also deutlich mehr Equipment als beim Kleben.

Machen die Marken einen Unterschied?

Im Grunde haben alle Hersteller eines gemein: Sie sind in Sachen Klebstoff nicht zu schlagen, nicht umsonst ist die deutsche Klebstoffindustrie weltweit führend. Früher war es üblich, unter Tesa den Tesafilm zu kennen. UHU wurde meistens als Synonym für Flüssigkleber und Klebestifte im Bastelbereich verwendet und Pattex war besonders unter Heimwerkern beliebt. Im Großen und Ganzen ist das bis heute so geblieben, aber die Grenzen sind verschwommen. So bieten nun alle drei dieser großen deutschen Klebstoffhersteller sowohl Heimwerker-, Handwerker und auch Industrielösungen an. Speziell zum Aufhängen für Bilder bzw. den Haken dazu sind Klebepads am sinnvollsten – und der Marktführer hier ist Tesa. Aber auch Klebeknete von Pattex oder UHU kann verwendet werden – hinsichtlich der Qualität geben sich diese Markenhersteller nichts. Eines sollte allerdings gesagt sein: Ein Noname-Produkt ist generell schlechter als ein Markenprodukt.

Sonderfälle

Hängt das Bild an der Decke, ist Kleben meist zu bevorteilen, weil gerade dann der sowieso schon größere Arbeitsaufwand noch verhältnismäßig gering ist. Auch bei Überhängen empfiehlt es sich, das Bild bzw. das Objekt zu Kleben.
Wenn man in einer Mietwohnung wohnt, dann kann ein Loch in eine Betonwand je nach Vermieter dazu führen, dass die Wohnung so nicht abgenommen wird. In dem Falle muss das Loch wieder ausgebessert werden – wieder ein Mehraufwand, der einem mit Kleben erspart geblieben wäre.

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Thema: Heimwerken

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